Überwinterung

Kein Thema wird in der Haltung von Schlangenkopffischen so häufig diskutiert, wie jenes über die Überwinterung von subtropischen Schlangenkopffischen. Selbst in Fachzeitschriften findet man immer wieder verwirrende Angaben zu diesem Thema.
Da wird dann erwähnt, dass z.B. Channa andrao eine Überwinterung bei ca. 12°C benötigt - alles mit dem Hintergrund, dass sich die Tiere ansonsten nicht vermehren würden.

Schauen wir uns die Realität einmal an, so erkennen wir, dass einige Schlangenkopffische aus subtropischen Gebieten stammen, das die tropischen Arten keine Überwinterung benötigen sollte wohl bekannt sein. Betrachten wir die Klimadiagramme aus solchen Gebieten, dann finden wir zum Teil durchschnittliche Wintertemperaturen von 15-18°C - d.h. es gibt Tage mit 20°C aber es gibt auch mitunter Tage mit nur 10°C Wassertemperatur.
Die kühlere Jahreszeit ist zumeist in der Trockenzeit - eine Zeit in der manche Channa-biotope komplett trocken fallen. In dieser Zeit verstecken sich diese Schlangenkopffische in Höhlen.
Für Channa stewarti, aurantimaculata, barca, bleheri und andrao ist dies auch wissenschaftlich belegt - die Höhlen führen zum Teil 2 m in die Tiefe. Die Tiere spüren folglich instinktiv dass sie solch Höhlen aufsuchen bzw. diese Höhlen buddeln müssen. Dann überdauern die Tiere diese Phase in diesen Höhlen und warten auf den warmen Regen, welcher die Paarungszeit einläutet.


Diese Winterzeit ist eine Extremsituation. Wie auch bei unseren heimischen Tieren, bedeutet der Winter immer eine Zeit der Verluste und die Zeit in der nur die optimal konditionierten Tiere überleben.
Müssen wir die Tiere in unseren Aquarien solch Extremsituationen aussetzen?
Warum sollten wir Schlangenkopffische überwintern ?
Eine kühle Phase ist bei vielen Fischen aus gemäßigten Klimazonen zur Fortpflanzung absolut notwendig. Nur nach einer kühlen Phase werden bei vielen Arten die Oogonien ausgebildet.
Dies gilt so nicht für alle subtropischen Schlangenkopffische.

Nachgewiesener Weise vermehren sich subtropische Schlangenkopffische nicht oder nur schwer, wenn man diese dauerhaft warm und dauerhaft mit viel Futter hält. Allerdings werden unzählige Schlangenkopffische durch eine falsche Überwinterung umgebracht.

Eine natürliche Überwinterung ist im Aquarium schwer nachzustellen, die wenigsten Aquarien bieten die Möglichkeit, dass sich die Tiere eigene Höhlen graben - oder Krebs/Krabbenhöhlen nutzen könnten.  Daher versucht der Zweibeiner vor dem Aquarium helfend einzugreifen und macht gerne was falsch.

Um eine Überwinterung nachzustellen müssen wir eigentlich nur die Raumtemperatur nutzen. Im Sommer wärmt sich das Wasser gerne mal über 26°C auf und wenn man es im Winter mit der Raumheizung nicht übertreibt, dann erreichen wir Temperaturen zwischen 18 und 20°C. Vollkommen ausreichend für alle subtropischen Schlangenkopffische zur Vermehrung.

Das wichtigste an einer fortpflanzungsrelevanten Vermehrung ist aber nicht die minimal Temperatur, sondern der Verzicht  auf ausgiebige Futtergaben. Zur Erinnerung, die Tiere sitzen in der Natur in Erdhöhlen, dort finden sie keine oder sehr spärlich Nahrung. Im Aquarium kann man dies einfach durch Aussetzen von Fütterungen erzielen. Eine Überwinterung kann ca. 2  - 6 Monate dauern, gesunde Schlangenkopffische verlieren in dieser Zeit kein/kaum Gewicht.
Wenn der Wetterbericht wärmere Temperaturen verspricht können wir uns darauf einstellen und die Tiere mit einem warmen Wasserwechsel zur Nachzucht animieren.
Wer seine Aquarien im Wohnraum hat und der Lebenspartner/in 18°C Raumtemperatur zu kalt findet, kann seine Fische auch in einen geeigneten Raum auslagern.  Allerdings müssen große Temperaturunterschiede vermieden werden, d.h. die Channa aus dem Wohnraum bei 24°C können nicht ad hoc in ein Aquarium/Behältnis mit 18°C und kälter umgesetzt werden !
Im idealen Fall bereitet man ein zweites Aquarium/Behältnis in einem geeigneten Raum vor und heizt dies auf die gleiche Temperatur wie das Hauptaquarium, dann fährt man die Temperaturen langsam runter.

KEIN SCHLANGENKOPFFISCH BENÖTIGT FÜR DIE FORTPFLANZUNG TEMPERATUREN UNTER 18°C !
(Diese Temperaturen werden mitunter überlebt - die Lethaltemperatur liegt bei den meisten subtropischen Arten unter 10° C - aber sie stellen unnötigen Stress da, den wir unseren Tieren ersparen können. Eine lange Überwinterung bei sehr niedrigen (unter 15°C ) führt eher dazu, dass sich die Tiere nicht vermehren!)

Das Überwinterungsbecken muss kein Aquarium sein, hier eignen sich auch Curverboxen oder Ikeaboxen. Ein Wasserwechsel oder eine Filterung ist nicht notwendig - ohne Fütterung gibt es auch keine Stoffwechselprodukte und keine Wasserbelastung.  Der Wasserstand kann sehr niedrig sein, eine Beleuchtung tut nicht not.

Beim Zurücksetzen in das Hauptaquarium sollte dies auch auf die Temperaturen der Winterbox herabgesenkt sein, und noch ein paar Tage gewartet werden, bevor die Tiere mit einem warmen Wasserwechsel stimuliert werden - hier sollte dann auch ausgiebig und abwechslungsreich gefüttert werden.

Ein Blick auf das Channajahr erklärt dann auch warum warme und kühle Phasen notwendig sind und warum es oftmals zu "Ehegattenmord" kommt, wenn man dies außer Acht lässt.
Der Winter im subtropischen Asien beginnt spätestens im Oktober/ November und endet im März/April (Futterfreie Phase (sprich Höhle) Dez-Feb). Daraufhin folgt die  Paarung, diese erfolgt zwischen April/Mai. Die Aufzucht der Jungen dauert häufig den gesamten Sommer - bis zur nächsten kühlen Phase.
Werden subtropische Schlangenkopffische nun dauerhaft warm gehalten, so kommt es zu einem dauerhaften Paarungsdrang, ohne das die Geschlechtsorgane voll entwickelt sind - ein Partner ist folglich nicht Paarungsbereit und wird oftmals deshalb vom anderen Partner getötet.
Das liegt nicht an übermässiger Aggression der Channa, sondern an falschen Haltungsparametern der Besitzer.